Wer verdient alles an einer Jeans? Und wer geht leer aus?

Wie viele Menschen sind nötig, damit ein Kleidungsstück entsteht?

Ich nehme hier einmal das Beispiel einer Jeans, stellvertretend für den gesamten Kleiderschrank.

© pixabay.com
Vom Feld in den Verkauf. Dazwischen sind hunderte Arbeitsschritte und tausende Kilometer© pixabay.com

Am Anfang der Kette steht nicht gleich der Baumwollbauer. Den Anfang macht der Saatgutproduzent (1) und der Saatguthändler (2). Der Fahrer (3) der das Saatgut zum Baumwollbauern (4) liefert. Für den Anbau der Baumwolle braucht es auch noch den Händler (5) für Pflanzenschutzmittel und die Erntehelfer (6) die wie Tagelöhner von Feld zu Feld ziehen.
Die gesammelte Ernte wird von einem Logistiker (7) zum Großhändler (8) gebracht und dort verkauft. Die Baumwollsäcke werden von Aufbereitungsfirmen (9) eingekauft, gereinigt und von Schmutz befreit. Ein weiterer Transporteur (10) bringt die Baumwolle in die Spinnereien, wo die losen Fasern zu Garnen verarbeitet werden. Auf riesige Spulen gewickelt wird die Baumwolle wieder an Großhändler (11) verkauft. Der wiederum verkauft es an die Webereien (12).

Schau mal in das Etikett deiner Jeans. Meistens sind 5% Elastan mit verarbeitet.
Elastan ist eine Kunststofffaser die aus verschiedenen Plastiken besteht.
Die Produktionsabschnitte sind auch für mich nur schwer nachzuvollziehen, so das ich hier vorsichtig 4 beteiligte Betriebe zurechne:
Erdölgewinnung (13), die Herstellung von einfachen Kunststoffen aus Erdöl (14), Polyurethan und seine Freunde (15) und schließlich die Elastan-Herstellung selbst (16).
Manche Webereien färben den Stoff selbst ein, andere verkaufen ihre Stoffe weiter an Färbereien (17).
Die verwendete Farbe wird von speziellen Firmen (18) produziert. Dazu die Chemiewerke (19), die die Chemikalien herstellen, die in der Produktion zum Einsatz kommen.

Dazwischen war auch wieder ein Transport (20).
Weiter geht es in die Näherei (21), dort arbeiten nicht nur die Näherinnen. Zuschneider, Bügler, Menschen, die die Produkte verpacken.
So eine Jeans braucht jetzt aber auch noch Knöpfe, einen Reißverschluss und Nieten. Das wird auch in verschiedenen Firmen hergestellt und damit ist die Metallindustrie und der Bergbau zur Gewinnung des Metalls untrennbar mit der Textilindustrie verbunden. Also müssen wir auch diese Firmen dazu zählen. Bergbau (22), Gießerei (23), Knopffabrik (24), Reißverschluss-fabrik (25), Nieten-Hersteller (26), jeweils ein Zwischen- oder Großhändler (27-31).

So weit ist es schon mal eine Jeans. Jetzt kommen noch Veredelungs-prozesse, z.B. Stonewashed/Usedlook dazu, was teilweise auch von anderen Firmen (32) gemacht wird.
Eine Logistikfirma (33) schifft die fertigen Jeans nach Europa. Dort wird es per LKW (34) zu Firmen (35) gefahren, die die Ware für den Markt aufbereiten.
Die Jeans wird kontrolliert, vom Insektenschutzmitteln befreit, mit denen die Jeans für den Transport begaßt wurden, um Schädlingsbefall zu vermeiden. Die Hosen werden gebügelt und für den Verkauf fertig gemacht. Wieder per LKW (36) geht es in die großen Hauptlager der Labels (37), die die Jeans in Auftrag gegeben haben.

Der letzte Weg führt die Hosen zu den einzelnen Händlern (38), wo sie verkauft werden sollen.
Ich habe für die Jeans als Beispiel 38 Firmen aufzählen können die an der Produktion beteiligt sind. Und trotzdem ist es möglich eine Jeans in Deutschland für nur 9,99€ zu kaufen.
Das Label behält im Durchschnitt 40% davon selbst. Minus der Mehrwertsteuer bleiben 4,85€ für die anderen 37 Firmen, Produzenten, Fabriken, Dienstleister und Bauern.

Das sind 0,13€ pro Firma!
Das lässt sich auch mit Massenproduktion nicht schön rechnen.

(Damit der Baumwollbauer 50€ Umsatz macht, müsste er Baumwolle für 390 Jeans ernten!)

In jeder dieser Betriebe arbeiten mehrere Menschen. Sie alle müssen von dem, was sie in ihren jeweiligen Berufen erarbeiten, leben können. Sie zahlen Miete oder Pacht, Steuern, Strom und Wasser, Maschinen und ihre Instandhaltung. Und es muss Geld zum Leben übrig bleiben. Essen, Medizin, eine Wohnung, etwas zum Anziehen. Schulgeld und eine Krankenversicherung sollten auch bezahlbar sein.

Eine Hose für 10€.
Ein echtes Schnäppchen, oder?

Den waren Preis bezahlen andere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.