wie Sauber ist das Trinkwasser in Kalkutta?

Wasser!

Es muss nochmal gesagt sein:
Trinkbares Wasser aus der Leitung ist purer Luxus und kein weltweiter Standard!

Es gibt Länder auf dieser Welt, die Bürgerkrieg führen um Zugang zu sauberem Wasser zu bekommen.

Unter den beiden Gedanken, reise ich durch Indien.
Was bedeutet das für mich?
Es heißt vor allem, das ich aufpassen muss. Ich bin nicht immun gegen Bakterien und Vieren, die nicht meiner natürlichen Umgebung entsprechen.
Was für Einheimische ein fieser Durchfall ist, könnte mich in die Notaufnahme bringen. Zum waschen kann man das Wasser in der Regel benutzen, so dramatisch ist es noch nicht. Aber Du solltest es besser nicht Trinken, damit Zähneputzen oder mit offenen Wunden in Kontakt kommen.

Wie sauber ist das Wasser in Indien?

© pixabay.com
Eine Lösung oder nur die verschiebung eines Problems? © pixabay.com

Ich weiß nicht ob man häufig von ‚Sauber‘ sprechen kann. Das schlimme an Klischees ist ja oft, das sie wahr sind. Selbst das Leitungswasser in so manchem Hotel in dem ich war, hatte eine komische Farbe oder einen Geruch. Wenn es nach Chlor riecht, ist noch mit am besten. Dann sind zumindest keine Keime enthalten. Auf Dauer ist es aber sicher nicht Gesund.
In Privathaushalten steht oft ein Wasserspender mit einer großen Flasche für den täglichen Bedarf an trinkbarem Wasser. Die Leute nehmen das auch zum kochen.

Wie schützt ich mich vor verkeimtem Wasser?

Es gibt überall Wasser in Flaschen zu kaufen. Abgepackt aus der Industrie. Bitte achte darauf das die Flaschen original verschlossen sind. Ich hatte damit noch nie ein Problem, es gibt aber ein paar Spukgeschichten über manipuliertes Flaschenwasser.

Dann sollte man noch auf Eiswürfel verzichten. Wenn ich nicht weiß, mit welchem Wasser die gemacht wurden, lasse ich sie weg.

Hände desinfizieren nach dem Händewaschen. Vielleicht ist diese Maßnahme in vielen Fällen übertrieben und zuhause käme mir das auch nicht in den Sinn.
Aber es nützt doch nichts sich vor dem Essen den Straßenstaub von den Händen zu waschen um gleichzeitig den Grundstock für eine E.Coli-Kollonie aufzubauen. Wir essen mit den Händen, das ist der kürzeste Weg für ein Bakterium eine neue Heimat in unserem Darm zu finden.

Was heißt das für die Bevölkerung?

Tja, schwer zu sagen. Es gibt einen Witz der sagt, das niemand in Indien einen festen Stuhlgang hat.
Das ist zweifellos übertrieben, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt wohl auch hier drin. Sie haben Antikörper gegen die meisten Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser entstehen können, aber das ist kein 100% Schutz. Es dürfte wohl einer der Gründe sein, warum die Lebenserwartung in Indien nicht so hoch ist, wie in Ländern mit sauberem Wasser.
Da ist es fast ironisch, wenn großartige Hilfsorganisationen Brunnen für die einfache Landbevölkerung baut, aus denen kein tropfen Wasser je trinkbar ist. Wenn so ein Brunnen in der Nähe eines Chemiewerks steht, das seine Abwässer unkontrolliert in das Grundwasser leitet, taugt das Wasser im Brunnen höchstens zum Wäsche waschen. Und auch nur, weil kein anderes Wasser da ist.
Diese Großindustrien, die ihr Abwasser falsch entsorgen sind eher die Regel als die Ausnahme. Fehlende Infrastruktur, Korruption und Ignoranz ist wohl die Hauptgründe.
Es ist ein großes Dilemma, aus dem so einfach kein Weg raus führt.

Weiter kommt hinzu, das im Grundwasser des Bundesstaates West-Bengalen eine natürlich vorkommende Arsen-Quelle das Wasser verunreinigt.

© pixabay.com
Wäsche im Fluss waschen gehört zum indischen Landleben dazu © pixabay.com

In 8 von 14 Distrikten ist die Arsen-Belastung derart hoch, das etwa 6 Millionen Menschen akut gesundheitsgefährdet sind. Eine Arsenvergiftung kann von Herz-,Lungen- und Nierenschäden über Krebs bis zum Tod führen.
Wer glaubt, das ich übertreibe, darf das mal im Internet recherchieren.
Es gibt Hunderte Artikel zu dem Thema, doch wirklich was tun will oder kann keiner. Auch hier wird jeder Ansatz durch fehlende Infrastruktur und Korruption blockiert. Die betroffenen Menschen wissen oft gar nicht, wie schlimm es um ihr Wasser steht, das sie weiter zum trinken, kochen und waschen benutzen. (Nicht jeder kann sich Wasser aus der Flasche leisten.)
Mir kommt es wie ein politisch tolerierter Massenmord vor.

Jeder Mensch auf der Welt sollte Zugang zu sauberem, trinkbarem Wasser haben.
Das sollte ein Menschenrecht sein. Wenn man genau hinschaut, ist es das leider nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.