Wieso können europäische Modelabels ungestraft in Bangladesch Menschenrechte verletzen?
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Vor ein paar Tagen war ich zu einem Filmvortrag im Museum eingeladen. Als Expertin durfte ich im Anschluss den Gästen ihre Fragen beantwortet. Der Film der gezeigt wurde heißt  ‚Todschick‚ von Inge Altemeyer und Reinhard Hornung.
Es geht im wesentlichen darum, wie europäische Marken, ihre Textilien produzieren lassen. Der Film zeigt drastisch und eindrücklich, wo und wie unsere billige Kleidung produziert wird.
Als der Film zu Ende ist, herrscht im Raum erst einmal tiefe Ruhe. Wir sind alle geschockt, peinlich berührt und von tiefem Mitgefühl für die Arbeiter in Asien ergriffen.

Ich muss auch erstmal tief durchatmen und beginne mit ein paar einführenden Erklärungen die Gäste zu Fragen zu ermutigen und es entwickelt sich ein schönes Gespräch zwischen den Gästen und mir. Eine der spannendsten Fragen mache ich heute auch zum Blog-Thema.

„Wie kann die Politik das zulassen?“

Im Film ist das Land Bangladesch das Hauptbeispiel und ich werde der Einfachheit halber bei dem Beispiel bleiben. Zumal unsere T-Shirts auch aus Bangladesch kommen.
Die Politik auf Verwaltungsebene ist von Korruption durchzogen. Mann kann kaum einen Schritt tun, ohne mit diesem System konfrontiert zu werden. Wenn ein Fabrikarbeiter sich an die Polizei wegen Misshandlung wendet, kann er davon ausgehen, das der Polizist sich mit dem Vorarbeiter verständigt und der Arbeiter morgen seinen Job los ist.

Angeblich unabhängige Kontrolleure werden mit horrenden Summen bestochen, damit sie die Baumängel und fehlenden Notausgänge verschweigen. Da die Kontrolleure selbst sehr schlecht bezahlt werden, sind sie fast schon auf die Korruption angewiesen.

Im Jahr 2019 hat Bangladesch Bekleidung im Wert von 34,1 Milliarden US-Doller exportiert. Der Export von Bekleidung, Schuhen und anderen Modeaccessoires machten im letzten Jahr 88-90% des gesamten Exportumsatzes aus. Mit anderen Worten, die bangladesische Wirtschaft ist komplett Abhängig von der Textilwirtschaft.

Umweltschutz ist in der Textilbranche ein Thema, das vergessen wird © pixabay

Wenn der Präsident von Bangladesch ein besseres Arbeitsschutzgesetz und einen Mindestlohn durchsetzen würde, von dem die Menschen auch leben können, passiert folgendes: Die europäischen Firmen verlassen fluchtartig das Land und würden dort produzieren wo es noch billiger ist.
Äthiopien zum Beispiel. China lässt inzwischen großflächig in Afrika produzieren um für die eigene Wirtschaft billige Produkte herzustellen um die wiederum uns zu verkaufen. „Made in China“ ist neuerdings „Made in Äthiopien“. China macht es recht geschickt, beziehungsweise kopiert die Methoden der westlichen Großkonzerne und macht das, was wir mit Asien machen in Afrika weiter. Eine Chinesische Fabrik in Äthiopien, die billige Schuhe für den deutschen Markt produziert, die hier für rund 10€ verkauft werden. Globalisierung, Hurra!
Aber ich komme vom Thema ab.

Also wenn ein deutsches Modelabel, das bisher in Bangladesch produzieren lies, auf einmal dazu gezwungen wäre, mehr Geld auszugeben um Feuerlöscher und Krankenversorgung zu bezahlen, gehen sie eben in ein anderes Land, wo diese Forderungen nicht gestellt werden.
Und Bangladesch kann es sich einfach nicht mehr leisten, die Textilindustrie zu verärgern.
Es geht also wie immer um das Geld. In diesem Fall um 34 Milliarden US-$.
Das ist die ehrliche Antwort, warum ganze Regierungen wegschauen und ihre Bevölkerung im Stich lassen.
Die Antwort stellt aber niemanden zufrieden.

Es muss doch eine Lösung geben! Kein Kunde findet es gut, wenn seine Kleidung unter Missachtung der Menschenrechte produziert wird.
Weil die Textilfirmen das wissen, werben sie mit hübschen Versprechen, die uns glauben machen sollen, das es in ihren Produktions-Standorten alles prima zugeht.
Sie sagen, das sie mit Kinderarbeit und Zwangsarbeit nichts zu tun haben.
Der Film hatte deutlich gezeigt, das wir oft genug belogen werden, das die großen Modehäuser sich bewusst nicht dafür interessieren, wie die Textilfabriken in Bangladesch aussehen und erst recht keine Verantwortung übernehmen, wenn es dort zu Unfällen kommt.
Sie hätten nichts gewusst und würden im Zweifelsfall dort gar nicht produzieren lassen, wenn bei einem Brand wiedereinmal Menschen gestorben sind.
Dann zeigen Sie auf ihren Webseiten Bilder mit grünen Bäumen und lachenden Kindern und vermitteln den Eindruck, alles sei ganz Prima und sie hätten den Umweltschutz erfunden.

Mit ihrem Green-washing und leeren Versprechen produzieren diese Modehäuser so viel heiße Luft, das es für einen eigenen Klimawandel reicht.

Was passiert aber wenn wir das nicht mehr mitmachen wollen?

Es geht ja auch hier um das liebe Geld. Wenn immer mehr Verbraucher auf Fairtrade-Bekleidung und Bio-Baumwolle setzen, wird sich die Wirtschaft daran anpassen. Je mehr Geld mit echter nachhaltiger Öko-Mode verdient wird, desto interessanter ist es auch für die großen Modehäuser umzusteigen.
Wenn die Geiz-ist-geil-Methode nicht mehr genug Umsatz bringt, müssen sie sich anpassen.
Oder in Kurzform: Dein nachhaltiger Konsum beeinflusst auch das Leben der Menschen in Bangladesch positiv.
Wenn die Politik schon nicht genug tut, muss man es als Verbraucher eben selber machen.

Seine Eltern brauchen einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz. © pixabay

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Eine Idee zu “Wieso können europäische Modelabels ungestraft in Bangladesch Menschenrechte verletzen?

  1. Marlen sagt:

    Danke liebe Roxane! Das aus erster Hand macht es noch deutlicher als es eigentlich für diejenigen schon ist, die nicht wegschauen!
    LG Marlen

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