Kinderarbeit
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Was ist eigentlich Kinderarbeit?

Damit ist natürlich nicht die Hilfe im elterlichen Haushalt gemeint, die Geschirrspüle ausräumen oder Rasen mähen ist kein Problem. Mit 14 Jahren Zeitung austragen ist ja auch in Ordnung.
Die Grenze ist dort, wo die Kindheit aufhört.
Wenn ein 7 jähriger Junge 10 Stunden am Tag die Handpumpe in einer Bleigießerei betreibt.
Ein 12 jähriges Mädchen, das an 6 Tagen in der Woche in der Spinnerei zwischen die Maschinen kriecht um gerissene Garne zu verknoten.
Kinder sind gute Erntehelfer, auch wenn die noch nicht so schwer heben können.
Wegen ihrer Größe werden sie gerne im Bergbau eingesetzt um in die ganz kleinen Gruben zu krabbeln. Kinder sind erfinderisch und erstaunlich belastbar.
Und sie sind erheblich billiger als ihre Eltern.

In Indien gibt es mehr als 60 Millionen arbeitende Kinder zwischen 5 und 14 Jahren.
Es gibt auch das Phänomen von Kinderarbeitern, die in Privathaushalten arbeiten. Die Kinder arbeiten gegen Kost und Logis bei einer Familie. Sie putzen und kochen, holen Feuerholz und Wasser. Als Gegenleistung haben sie ein Dach über dem Kopf. Paradox ist, das viele Familien, die ein Kind als Dienstmädchen aufnehmen das tun, um dem Kind zu helfen. Sie glauben wirklich, den Kindern einen großen gefallen zu tun, da es ja nun wenigstens Arbeit hat. Und nüchtern betrachtet ist es für das Kind ja oft tatsächlich eine Verbesserung der Lebensumstände.
Diese Kinder sind sehr traumatisiert.
Ihre eigenen Eltern geben es in eine fremde Familie. Dort bekommt es selten mehr als das nötigste zum Überleben. Von Bildung und einer Zukunft abgesehen, fehlt es vor allem an Liebe und Fürsorge.

Noch schlimmer wird es, wenn wir über Menschenhandel und Prostitution sprechen. In einer Dokumentation wird angegeben das eine indische Prostituierte im Durchschnitt 14 Jahre alt ist. Schlepper gehen in besonders arme Dörfer und Slums und überreden die Eltern dazu, ihnen ihre Kinder mitzugeben. Sie behaupten helfen zu wollen, die Kinder in eine Schule zu geben. Stattdessen werden die Kinder, Jungen wie Mädchen, verkauft. Sie landen meist in den Bordell-vierteln der Großstädte. Die Eltern sehen ihre Kinder selten wieder und wissen nicht, was aus ihren Kindern geworden ist.

Eigentlich unvorstellbar, besonders für Eltern.

Mädchen holt Wasser © Pixabay
Mädchen holt Wasser © Pixabay

Das eigene Kind nicht in die Schule zu schicken damit es in einer Fabrik 10-12 Stunden arbeiten kann um zusätzliches Geld für die Familie zu verdienen.
Warum also gibt es Eltern die ganz bewusst ihre oft noch sehr kleinen Kinder zum arbeiten schicken?
Der wichtigste Grund ist ganz klar die Not.

In den meisten Fällen verdienen die Eltern nicht genug um auch nur genug Reis für die Familie zu kaufen, diese Familien sind auf jeden Cent so dramatisch angewiesen, das ihnen buchstäblich keine andere Wahl bleibt. Spätestens, wenn es um das nackte überleben geht, kommen die Kinder mit zum arbeiten.
Dann gibt es aber auch noch die Fälle, wo die Eltern die Kinder indirekt zur Arbeit schicken. Es gibt keine Betreuung für das Kind und so werden die Kleinen einfach mitgenommen und zu leichteren Hilfetätigkeiten ermutigt, aber nicht gezwungen. Das größte Problem dabei ist, das ihnen dabei die Schulbildung entgeht. Genau diese Bildung brauchen sie aber um den Kreislauf von Armut und Not zu entkommen. Eine ungebildete Generation bringt fast beständig die nächste hervor.
Und Bildung kostet in den meisten Ländern. Stifte und Hefte, Bücher und eine Schuluniform.
Und dann das Schulgeld. Oft die größte Hürde. Wenn die Eltern mehrere Kinder haben multiplizieren sich die Kosten.
Für einen sehr großen Teil der Weltbevölkerung ist das schlicht nicht machbar.
Es gibt auch die Familien, die einfach räumlich keinen Zugang zu einer Schule haben. Es gibt keine Schule in erreichbarer nähe. Das heißt nicht, das die Kinder zwangsweise arbeiten müssen, aber oft ist es einfacher die Kinder zu betreuen, wenn man sie mit auf das Feld nimmt.

Diesen Teufelskreis kann kaum einer aus eigener Kraft verlassen. Es braucht dringend mehr Hilfe von Außen. Politisch könnte eingegriffen werden, in dem die Kosten für Bildung gesenkt oder ganz erlassen werden. Auch eine finanzielle Unterstützung für Familien könnte helfen. Modelle wie das deutsche Kindergeld oder andere Systeme könnten die Eltern unterstützen ihre Kinder besser auszubilden.
Auf sozialer Ebene greifen NGO´s und andere Vereine mit verschiedenen Projekten in den Teufelskreis ein. Sie bauen Schulen an entlegenen Orten. Sie sprechen mit den Eltern um sie von der Wichtigkeit der Schulbildung zu überzeugen. In der Einzelfallhilfe wird auch schon mal für ein begabtes Kind die Schule bezahlt oder Familien erhalten einen finanziellen Ausgleich, wenn sie sich dazu entschließen, ihre Kinder in eine Schule zu geben, statt zur Arbeit.
Nichts darf hier gegen den Willen der Eltern geschehen oder gar mit staatlichen Verboten oder Sanktionen. Alle guten Angebote helfen gar nichts, wenn der Familienvater nicht versteht, warum er auf das Gehalt seines Kindes verzichten soll, damit es ein wenig Bildung erhält. Alte Denkmuster wie „Wozu muss der Junge lesen können, wenn er auf dem Feld arbeitet?“ oder „Mir hat die Arbeit auch nicht geschadet“ lassen sich nicht einfach beiseite schieben. Auch traditionelle Geschlechterrollen sind eine große Hürde. Wozu ein Mädchen in die Schule schicken, wenn es mit 14 oder 15 eh heiratet und Hausfrau und Mutter wird. Die Bildung und Aufklärung der Eltern muss immer ein zentraler Bestandteil sein, wenn Kinderarbeit langfristig verhindert werden soll.

Slum-Kinder in der Schule © Green Size
Slum-Kinder in der Schule © Green Size
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