gutes Plastik, schlechtes Plastik
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Heute versuche ich aus verschiedenen Blickwinkeln Verbrauchs-Plastik zu betrachten.
Plastik kann nicht oder nur schwer zu 100% recycelt werden. Milliarden Tonnen unseres Plastikabfalls schwimmen in den Meeren und der Natur. Die Tiere verschlucken es und sterben daran. Auch wir Menschen nehmen davon jährlich die Menge einer Kreditkarte in Form von Microplastik auf.
Das kann nicht gesund sein.
So viel ist klar, es ist Zeit zum Umdenken.

Aber müssen wir jetzt ganz und gar auf Plastik verzichten?

Plastik-müll in der Natur
Plastik in der Natur ©Pixabay
Ich denke wir müssen drastisch reduzieren und uns genau überlegen wo es Sinn macht und wo wir darauf verzichten können und sollen.
Mein privater Plastikkonsum ist stark reduziert. Einen gelben Sack bekomme ich nur ca. alle 6 Wochen voll. Und in Zukunft möchte ich noch weniger verbrauchen und vom Verpackungs-Plastik ganz weg kommen.
Dazu braucht es aber auch nutzbare Alternativen.
Ein gutes Beispiel das gleich mehrere Punkte anspricht ist der Lebensmitteleinkauf.
Ja, es gibt Unverpacktläden. Einen auch in meiner Stadt.
Ich kann hier mit dem Fahrrad hinfahren, meine Blechdosen und Glasflaschen mit leckeren Sachen abfüllen und wieder nach hause fahren.
Das ist aber nicht für jeden machbar. Wer auf dem Land lebt, muss erst mit dem Auto in die Stadt um unverpackte Lebensmittel einzukaufen. Das macht weniger Sinn, wenn man einen guten (Bio-)Landen in der Nähe hat.
Viele Dinge kann ich auch im normalen Bioladen unverpackt kaufen.
Für Gemüse nehme ich einen Jutebeutel, an der Käsetheke akzeptieren sie meine mitgebrachten Dosen und fürs Brot habe ich auch einen Stoffbeutel.
Und mein neuster Liebling: Frischkäse selber machen! Dazu muss ich nur den Jogurt im Glas kaufen. Das spart viel Plastik und ich weis genau was in meinem Frischkäse drin ist. (Nämlich Jogurt und eine Prise Salz) Das Rezept geht so super und so schnell, das es sich für mich nicht mehr lohnt Frischkäse in Plastikdosen zu kaufen.
Nun ist das aber eine Geschichte, die so nur hier funktioniert. In einem Land das inzwischen fast überall Bioläden hat, wo man über meinen Brot-Beutel nicht die Stirn runzelt.
Jeder Kaffee-Laden nimmt meinen Thermosbecher an und es gibt teilweise sogar Pfand auf To-Go-Kaffeebecher.
Versuchen wir das mal in einem anderen Land. Vor allem in einem Nicht-Industrie-Land. So, wie ich es in Indien erlebe, ist es auch in sehr vielen anderen Ländern dieser Welt. Wir haben in Indien starke Schwierigkeiten mit Mäusen, Ratten oder Kakerlaken. Alles, was nicht luftdicht in knabber-festem Material verpackt ist, wird gnadenlos aufgegessen. Die Mäuse haben mir schon die Schokolade mit Teilen der Verpackung aufgegessen und sogar meine Holzknöpfe angenagt. Alles was ich da nicht gut in großen Blechkisten oder Plastiktüten und Dosen verpackt habe, musste ich mit den verschiedensten Tierchen teilen.
Das ist so, weil es in Ländern wie Indien sehr viele Nahrungsquellen für parasitäre Tiere gibt und es deshalb auch extrem viele dieser Tiere gibt.
Das Leben findet hier häufig auf der Straße statt und die Müllentsorgung ist in einem katastrophalen Zustand.
In Deutschland ist das nach 50 Jahren Tupperware, Kunststoffmülltonnen und gut verpackten Lebensmitteln nicht mehr der Fall.
Wir haben über einen sehr langen Zeitraum den „Mitessern“ keine regelmäßige Nahrungsquelle geboten und ihre Arten entsprechend reduziert. Zumindest in meiner deutschen Küche wohnte noch nie eine Kakerlake.
Deshalb können wir hier sehr gut auf Plastik verzichten und uns gute Alternativen überlegen.
In anderen Ländern sind wir aber noch nicht so weit und können uns daher nicht anmaßen dort den selben Maßstab zu nehmen wir hier.
Jedes Land hat andere Bedingungen und muss individuell schauen wie man dort auf Verbrauchs-Plastik verzichten kann.
Das sich auf der ganzen Welt etwas ändern muss, ist jedem hoffentlich klar.
Wie das im einzelnen aussehen kann, muss jeder für sich individuell prüfen.
In Indien gibt es zum Beispiel die traditionellen Chai-Tassen aus Ton.
Die sehen aus wie kleine Blumentöpfchen. Nach dem einmaligen Gebrauch werden diese entsorgt. Da sie weder gebrannt noch lackiert sind, sind sie ohne Aufwand zu 100% recycelbar. Da können wir mit unserem Cafe-to-go-Becher nur lange Gesichter machen.
So ein Ton-Becher würde in Deutschland nicht funktionieren. Der Verbraucher würde es als unhygienisch ansehen. Das Gesundheitsamt würde solche Becher wahrscheinlich gar nicht erst zulassen, da es sich um ungebrannten Ton, also ein nicht „Lebensmittel-festes“ Material handelt.
In Indien sind es vermehrt die Touristen, die eine Mini-Version des Folien-verschweißten To-Go-Bechers für ihren Chai bevorzugen. Damit tun wir der indischen Umwelt keinen gefallen.
Solche und ähnlich Beispiele gibt es auf der ganzen Welt, auf jedem Kontinent.
Bananenblätter beim Lieferservice, Einkaufstüten aus alten Zeitungen.
Und was man alles aus Bambus machen kann…
Plastikfrei einkaufen ©green size
Plastikfrei einkaufen mit Stoffbeutel, Wachstuch und Blechdose ©green size
Ich glaube das Jeder von uns die Welt ein kleines bisschen besser machen kann. Und das es Jeder auf seine eigene weiße tun muss. Eben genau so, wie es individuell möglich ist.
Zum Beispiel macht es überhaupt keinen Sinn, seine guten, noch funktionieren Plastik-Schüsseln wegzuschmeißen um neue Bambus-Schalen zu kaufen.
Solange eurer „Tupper“ noch prima ist, muss man es nicht auf den stetig wachsenden Müllberg werfen.
Und wenn ihr es gar nicht mehr mögt, könnt ihr es verschenken oder eintauschen.
Wegwerfen sollte bei einem umweltfreundlichem Lebensstil immer die letzte Option sein.
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Eine Idee zu “gutes Plastik, schlechtes Plastik

  1. Markus Kretschmann sagt:

    Das ist sehr inspirierend, besonders der Blick über den Gartenzaun nach Indien. Vielen Dank für die vielen Ideen. Ich habe meine Abfälle dadurch deutlich reduziert, dass ich Getränke nur noch in GlasPfandflaschen kaufe, zum Beispiel auch HaferMilch.

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