Eine Kultur verändert sich
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Ich bin in Indien und man stelle sich vor, in dem neuen Supermarkt um die Ecke gibt es jetzt sogar Käse. Also nicht nur etwas, das so aussieht, sondern echten Käse. Ich habe drei Sorten gefunden. Edam, Chedder und Scamotza.
Natürlich gab es hier auch noch diesen in Folie verschweißten Schmelzkäse. Und die selbe Masse auch als sogenannten Käseblock. Aber ich möchte das ungern als Käse bezeichnen. Es schmeckt scheußlich und eignet sich höchstens um etwas zu überbacken. Dieses Zeug mögen auch die Einheimischen nicht besonders und haben vielleicht deshalb keinen guten Eindruck von der Welt des Käses.
In der Brotabteilung gibt es jetzt neben weißem Toastbrot auch eine dunkle Variante. Laut Packung sogar Anteilig aus Vollkornmehl. Supermärkte wie dieser sprechen eine neue Botschaft. Eine Botschaft die sagt, wir können alles was der Westen auch kann. Und so sehr ich Vollkornbrot mit Käse haben will, so sehr will ich auch das dieses Land nicht so „verwestlicht“.
Natürlich will ich, das hier gute soziale Standards entstehen. Gute Bildung und Versorgung auf allen Ebenen und für alle zugänglich. Aber nicht auf Kosten der indischen Kultur.
Wenn aus einem Teehaus ein Fastfood-Restaurant gemacht wird, geht ein Stück Geschichte verloren. Gestern wollte ich auf dem Markt eine kleine Blechdose kaufen und der Händler hat mich lange nicht bemerkt, weil er mit seinem Handy beschäftigt war. Normalerweise werde ich von den Händlern schon angesprochen, bevor ich gesehen habe, was er anzubieten hat. Diese kleinen Veränderungen, die natürlich immer und überall vorkommen, sind kleine Anzeichen dafür, das eine Kulturgesellschaft Stück für Stück an Bedeutung verliert.

Kachel mit Götterbildnis ©Green Size
Kachel mit Götterbildnis ©Green Size

Die westliche Welt hat für den Einzelnen viele Vorteile. Aber es ist eine egoistische Welt mit wenig Zusammenhalt. Wenig Farbe und und viel Stress. Wir sitzen in unseren Büros vor dem Computer, fahren allein in unseren Autos nach Hause, und selbst wenn dort die Familie auf uns wartet, sitzen wir jeden Abend vor dem Fernseher und haben aufgehört miteinander zu reden.
In der Indischen Kultur ist es noch etwas anders. Aber die westliche Kultur ist längst das begehrte Ziel eines Jeden geworden. Alle Familien hier haben einen Fernseher. Dennoch habe ich den Eindruck, das hier mehr geredet wird.

 

Meine Beobachtungen sind natürlich sehr allgemein und oberflächlich, aber den wahren Kern kann wahrscheinlich jeder erkennen. Oder wann hast Du zuletzt mit deinen Freunden einen Spieleabend veranstaltet? Oder tatsächlich dich zum gemeinsamen Kochen verabredet? Wir treffen uns schnell mal auf einen Kaffee, das kommt vor. Viel mehr ist aber oft nicht drin. Wegen der Arbeit, den Kindern, dem Stress.
In der indischen Kultur, so wie ich sie beobachten durfte, geht das etwas anders.
Netflix’n’chill ist hier noch nicht so verbreitet. Arbeiter treffen sich vor der Arbeit mit den Kollegen am Tee-Stand und trinken einen Chai, bevor es los geht. Und sowieso ist hier selten jemand wirklich im Stress.
Gut zu tun haben alle, aber das ist kein Grund Freunde zu vernachlässigen oder an den heiligen Bildern vorbei zu hasten ohne ein kurzes Gebet gesprochen zu haben.
Vielleicht ist das auch etwas, das Stress-resistent macht. Öfter mal am Tag kurz inne zu halten, jemandem oder etwas kurz Danke sagen und gute Wünsche machen und dann geht man wieder den Geschäften nach. Die indische Kultur bietet auf der Straße beinahe alle 50 Meter eine Gelegenheit einem der vielen Götter zu begegnen.
Wer es lieber mit anderen Göttern hält, oder gleich ohne auskommt, kann auf andere weise kurze Stresspausen einlegen.
Fremde Menschen anlächeln macht glücklich. In ein Schlagloch zu treten macht Wach und die vielen Menschen um einen herum erinnern einen daran, sich selbst nicht so ernst zu nehmen.
-Et Voilà!-  Stress lässt nach! Inklusive spiritueller Erfahrung.
Wenn ich wieder zurück im Westen bin, werde ich wieder ein wenig davon vergessen haben. Auch weil es bei mir wenig Schlaglöcher gibt, die mich daran erinnern Wachsam zu sein.
Ich hoffe sehr, die Inder bewahren sich die Kultureigenschaften, die sie in eine gute Zukunft führen und nehmen dazu nur die westlichen Kultureigenschaften an, die es dazu braucht. Das beste aus beiden Welten. Käsebrot und Schlaglöcher. Oder eben das wofür diese beiden Dinge stehen.

Schlaglöcher in einer Treppe ©Green Size
Schlaglöcher in einer Treppe ©Green Size
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Eine Idee zu “Eine Kultur verändert sich

  1. swami v. lübeck sagt:

    Wer es lieber mit anderen Göttern hält, oder gleich ohne auskommt, kann auf andere weiße kurze Stresspausen einlegen.
    liebe roxane, hier sollte es wohl -weise- heißen. artikel supermarkt. ich wünsche dir alles glück.
    swami amanojas
    om tat sat!

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