Das Lieferketten-Gesetz und wie wir damit umgehen
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Worum geht es in diesem Gesetz?

Der Gesetzesentwurf sieht vor, das deutsche Firmen ihre gesamte Lieferkette nachverfolgen und für mögliche Missstände Verantwortung übernehmen.

Es geht darum, das deutsche Firmen im Ausland Waren und Rohstoffe einkaufen, bzw herstellen lassen können, ohne das sie für die dort entstandenen Schäden an Mensch und Umwelt haftbar sind.

Im Moment ist es so, das Textilhersteller in einer indischen Fabrik ihre Kollektion nähen lassen, ohne das sie für die dortigen Missstände bei einem Unfall belangt werden können. Zum Beispiel: Ein Label mit zwei Buchstaben und einem &-Symbol dazwischen vergibt einen Auftrag an einen indischen Subunternehmer. In seiner Fabrik wird über Jahre hinaus nichts anderes produziert als Kleidung für dieses Label. Der Subunternehmer ist damit wirtschaftlich abhängig und kann keine Forderungen stellen, ohne das das Label seinen Auftrag zurück nimmt und den Subunternehmer damit in die Pleite zwingt. Und weil die Konkurrenz groß ist und das Modelabel die freie Wahl hat, vergibt es die Aufträge an den Subunternehmer, der am schnellsten und billigten liefert.
Das ist erst mal freie Marktwirtschaft und eigentlich ok so, wenn die deutschen Firmen mehr Verantwortung übernehmen würden.
Leider hat der deutsche Unternehmer selten ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, wenn die Umsetzung Geld kostet.
Der Subunternehmer ist jetzt gezwungen den Auftrag zum billigsten Preis zu erfüllen.
Das heißt übersetzt nichts anderes, als Missachtung der Menschenrechte, Lohnsklaverei in einsturzgefährdete Fabriken mit abgeschlossenen Notausgängen. Und ganz sicher gibt es nicht einen funktionierenden Feuerlöscher.
All die Dinge, über die ich schon von verschiedener Seite geschrieben habe und weiter schreiben werde.

Warum gibt es bisher kein solches Gesetz?

Deutsche Firmen sind wirtschaftlich mächtig und via Lobbyarbeit sehr gut mit der Politik vernetzt. Sie haben großen Einfluss und konnten mehrere wichtige Politiker zu der Aussage bringen, das es ein wirtschaftlicher Nachteil wäre und das die Firmen nicht in der Lage sein zu kontrollieren, was ihre Sub- und Sub-Subunternehmer tun.
Das solche Aussagen Blödsinn sind und reine Augenwischerei ist ja wohl klar, oder?

 

Was würde sich verändern, wenn es dieses Gesetz gibt? Ich bei meinem Stofflieferanten ©greensize

Wir würden zum einen eine EU-Richtlilie von 2011 endlich erfüllen. Das Thema ist also nicht neu.
Zweitens würden Firmen, die sich längst um gute Bedingungen in den Zulieferbetrieben kümmern gleiche Wettbewerbs-Chancen bekommen. Es gibt ja deutsche Firmen, die ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Der Endverbraucher hat bisher jedoch nicht genug Möglichkeiten zu unterscheiden, welche Firma Green-washing betreibt und wer sich tatsächlich an die Menschenrechte hält.

Wenn alle deutschen Unternehmen ihre Lieferkette aufzeigen müssen, kann der Verbraucher sich hoffentlich ein Bild davon machen, unter welchen Bedingungen das Produkt hergestellt wurde.
Und ganz nebenbei würden Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörungen und wirtschaftliche Erpressung deutlich abnehmen.
Wenn es wieder zu einem Fabrikeinsturz wie Rana Plaza 2013 käme, können die Firmen, die dort produzieren lassen auf Schadensersatz verklagt werden. Um Ansprüche in Millionenhöhe zu umgehen, würde sie im Vorfeld die Sicherheitsmaßnahmen in den Fabriken verbessern. Zumindest hoffe ich das.

Wie sieht meine Lieferkette aus?

Wie ist es bei Green Size?
Ich habe kein Problem damit, meine Lieferkette offen zu legen und tue das hiermit.

  • Meine Stoffe kaufe ich für die indische Kollektion bei der Rajlakshmi Cotton Mills Factory.
    Die sind GOTS-zertifiziert.
  • Meine wunderbaren Freunde bei Calcutta Rescue nähen daraus die Kollektion.
    Die sind mit dem ‚Fair-india‘-Sigel ausgezeichnet.
  • Für die Kleidung, die ich selbst hier in Lübeck nähe, kommt der Stoff von C.Pauli.
    Der Stofflieferant ist ebenfalls GOTS-zertifiziert.

Das ist meine gesamte Lieferkette.

So schwer ist es also nicht, seine Subunternehmer und Zulieferer zu benennen.
Zumindest, wenn man nichts zu verstecken hat.

Das Team von Calcutta Rescue ©greensize

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